Was trinken wir da überhaupt ?
Deutschland ist nicht nur das Land der Dichter und Denker, sondern vor allem auch der Biertrinker. Umfragen zeigen, dass neunzig Prozent der Bevölkerung gelegentlich oder regelmäßig Bier konsumiert. Und das Bundesland Bayern liegt dabei nicht an der Spitze, wie viele manchmal annehmen. Das meiste Bier wird in Nordrhein-Westfalen gebraut. Und somit ist Deutschlands Bierhauptstadt auch nicht München, sondern Dortmund. Bier ist ein nährstoffreiches Getränk und hat obendrein einen mittlerweile nachgewiesenen medizinischen Nutzen. Obwohl Deutschland, nicht zuletzt auch wegen dem Reinheitsgebot, im Ausland als das Bierland gilt, ist das Bier gar keine deutsche Erfindung. Gekannt und genossen haben es bereits die alten Ägypter und Sumerer, das ist zweifelsfrei überliefert. Das Bier aber heutzutage so beliebt und in aller Munde ist, ist ganz sicher ein Verdienst Deutschlands. Woher das Wort Bier eigentlich kommt, darüber streiten sich Sprachwissenschaftler auch heute noch. Eine eindeutige Zuordnung der Abstammung des Wortes kann nicht nachvollzogen werden. Kommt es vom Lateinischen "bibere", was trinken bedeutet oder doch vom Althochdeutschen "Bior", nichts genaues weiss man eben nicht.
Die Zutaten fürs Bier sind eigentlich schnell abgehandelt, denn ein Brauer muss mit nur vier Grundbestandteilen auskommen. Ausser Malz, Hopfen, Hefe und Wasser ist nichts drin und auch nichts erlaubt im deutschen Bier. Es ist jedoch eine Kunst, die Braukunst, aus diesen Zutaten gutes Bier zu brauen. Vielerlei Produkte konkurrieren um die Gunst der verwöhnten Gaumen. Die Zutat Malz ist in erster Linie für die Geschmacksfülle beim Bier zuständig. Malz war ursprünglich einmal ganz normales Getreide, wie etwa Weizen oder Gerste. Es gilt, die in den Körnern enthaltene Stärke in Zucker umzuwandeln. Dies geschieht, indem die Körner angefeuchtet werden und dann schon bald anfangen zu gären. Dieser Vorgang wird auch als Mälzen bezeichnet. Das so entstandene Grünmalz wird gedarrt, das bedeutet, es wird getrocknet oder auch geröstet. An dieser Stelle entscheidet sich, ob ein Bier später dunkel oder hell sein wird. Je höher die Trockentemperatur, umso dunkler wird das Malz und eben später auch das fertige Bier.
In der sogenannten Maische, also dem Gemisch aus Wasser und geschrotetem Malz, verwandelt sich immer mehr Stärke in Zucker. Als weiterer Bestandteil wird Hopfen zugesetzt. Von dieser Schlingpflanze werden nur die Fruchtzapfen verwendet. Hopfen ist die Seele des Bieres, sorgt für dessen Eleganz und den typisch herben, frischen Geschmack. Hopfen sorgt auch für die Haltbarmachung des Bieres. Nach einem Koch-und Filtervorgang wird der Sud abgekühlt, bevor dann die Hefe hinzugesetzt wird. Es erfolgt der nun wichtigste chemische Prozess beim Brauvorgang, die Gärung. Hierbei wird Zucker in Alkohol und Kohlensäure verwandelt, später verantwortlich für den so beliebten, schönen Bierschaum. Die Hefe verbleibt üblicherweise nicht im fertigen Bier, sondern wird zuvor entfernt. Aber auch hier gibt es Ausnahmen. Nachdem das Bier noch eine Weile nachgegärt hat, ist es im Prinzip trinkfertig.
Mittlerweile gibt es in Deutschland mehr als viertausend Biersorten. Einige Geschmackscharaktere sind so unterschiedlich, dass sie auch ein Laie mühelos unterscheiden kann. Ganz entscheidend ist dabei die Auswahl der Hefesorte. Sie entscheidet mit darüber, ob ein fertiges Bier obergärig oder untergärig ist. Obergärige Hefe arbeitet am besten bei nahezu Zimmertemperatur. Untergärige Hefen dagegen lieben es deutlich kühler. Bei einer Brauereibesichtigung merkt man also schnell anhand der Temperatur des Gärkellers, welche Art Bier hier gebraut wird. Das in Deutschland beliebteste untergärige Bier ist das allseitsbekannte Pils. Es ist leicht und hell und enthält reichlich Hopfen. Statt Pils kann man auch Pilsener sagen, beides ist korrekt in der deutschen Sprache. Der Name Pilsener kommt aus dem Böhmischen, in Pilsen wurde eben schon lange Bier gebraut, bayerische Braumeister wanderten dorthin aus und brachten später ihre eigene Biererfahrung mit. Das gute Wasser und der herzhafte böhmische Hopfen brachte bereits im Jahre 1842 den "bayerischen Urquell" hervor. Der Siegeszug des deutschen Bieres nach Pilsener Brauart war nun nicht mehr aufzuhalten.